TUI Turtle Aid Italy

TUI Turtle Aid Italy schützt die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) entlang der süditalienischen Küste, insbesondere in Apulien. Durch der Klimawandel erweitern die Schildkröten ihre Nistplätze zu Stränden, die auch bei Urlauber*innen beliebt sind. Diese neuen Nistplätze, wie beispielsweise in Salento und Gargano, sind durch häufige Nutzung der Strände, Lichtverschmutzung und mangelndes Bewusstsein bedroht. Das Projekt bringt lokale Gemeinden, Urlauber*innen, Schulen und Strandbetreiber*innen zusammen, um Nester zu überwachen und zu schützen, verletzte Schildkröten zu retten und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Außerdem wird ein „schildkrötenfreundliches Tourismus-Zertifikat” eingeführt, um Tourismusunternehmen dabei zu unterstützen, umweltfreundliche Praktiken einzuführen. Durch die Kombination von Naturschutz und nachhaltigem Tourismus trägt das Projekt zum Schutz der Meeresfauna bei und fördert gleichzeitig die lokale Wirtschaft.

Die südliche Küste Italiens, insbesondere die apulischen Regionen Salento und Gargano, erlebt einen bedeutenden ökologischen Wandel. Aufgrund steigender Meerestemperaturen und anderer klimabedingter Veränderungen erweitert die Unechte Karettschildkröte – eine von der IUCN als gefährdet eingestufte Art – ihr Nistgebiet nach Norden. Historisch auf südliche Regionen wie Kalabrien und Sizilien beschränkt, legen Unechte Karettschildkröten inzwischen auch an Stränden in Apulien ihre Eier ab. Dazu zählen die malerischen Küsten von Gallipoli, Salve und dem Gargano-Vorgebirge. Diese Gebiete sind nicht nur ökologisch reich mit Lebensräumen wie Posidonia oceanica (Neptungras)-Wiesen und Küstenfeuchtgebieten, sondern gehören auch zu den meistbesuchten Sommerreisezielen Italiens und ziehen jährlich Millionen von Urlauber*innen an.

Diese Überschneidung zwischen neu entstehenden Nistplätzen für Schildkröten und Gebieten mit intensivem Tourismus stellt zwar eine Herausforderung für den Naturschutz dar, kann aber gleichzeitig auch neue Chancen eröffnen. Einerseits kann unregulierter Tourismus durch Lebensraumzerstörung, künstliche Beleuchtung, Strandreinigungen und andere menschliche Einflüsse den Bruterfolg der Schildkröten gefährden. Andererseits bietet der Tourismus eine leistungsfähige Plattform für Aufklärung, Engagement der Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung. Das Projekt TUI Turtle Aid Italy geht diese komplexe Situation an, indem es den Schutz der Meeresschildkröten mit verantwortungsbewusstem Tourismus verbindet.

Das Projekt schützt über 3.500 Schildkröten und rettet rund 300 verletzte Schildkröten durch strukturierte Strandüberwachung, Nestschutz und Rehabilitationsmaßnahmen. Ausgebildete Freiwillige patrouillieren an den Stränden, suchen nach Nestern und sorgen dafür, dass die Jungtiere sicher ins Meer gelangen. Das Projekt unterstützt auch die Rettung und Rehabilitation verletzter Schildkröten in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und der Küstenwache. Schildkröten, die durch Beifang, Bootsunfälle oder Verschmutzung verletzt wurden, werden in das Sea Turtle Recovery Center in Manfredonia gebracht, wo sie tierärztlich versorgt werden.

Um Tourismus und Naturschutz miteinander in Einklang zu bringen, führt das Projekt eine Zertifizierung für schildkrötenfreundliche Unternehmen an den Küsten ein. Mindestens 60 Hotels und Strandclubs werden zunächst bewertet und erhalten daraufhin Schulungen und Unterstützung, um umweltfreundliche Praktiken einzuführen. Nach erfolgreicher Umsetzung dieser Maßnahmen wird ihnen das Zertifikat verliehen. Dazu gehören die Reduzierung der Lichtverschmutzung und der Verzicht auf Strandreinigungen während der Nistzeit.

Die Einbindung der Öffentlichkeit ist ein zentraler Bestandteil des Projekts: Über 4.100 Urlauber*innen und Gemeindemitglieder werden durch Aufklärungskampagnen, Beschilderungen und Veranstaltungen informiert. 1.000 Schulkinder nehmen an maßgeschneiderten Programmen teil, während saisonale Aktivitäten wie Schildkrötenfreilassungen, Ökotouren und „Schildkröten-Tage” das lokale Engagement fördern.

Projektpartner

Legambiente ist eine italienische Umweltorganisation, die 1980 gegründet wurde. Ihre Hauptaufgabe ist der Schutz der Umwelt, der Naturlandschaften und der öffentlichen Gesundheit. Der Verein fördert Sensibilisierungskampagnen zu kritischen Themen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Erhaltung der biologischen Vielfalt und Kreislaufwirtschaft. Mit einer breiten Präsenz in ganz Italien ist er über regionalen Vertretungen tätig, die Freiwillige und Bürger*innen aktiv einbinden. Legambiente entwickelt Bildungsinitiativen in Schulen, die eine Kultur der Umweltverantwortung und Nachhaltigkeit fördern. Sie führt wissenschaftliche Überwachungsprojekte durch, darunter Goletta Verde, das die Qualität der Küstengewässer bewertet, und Carovana dei Ghiacciai, das den Rückgang der Alpengletscher dokumentiert und die Auswirkungen der Klimakrise aufzeigt. Legambiente arbeitet mit öffentlichen Institutionen und privaten Einrichtungen zusammen, um sich für eine verbesserte Umweltpolitik einzusetzen. Sie veröffentlicht umfassende Berichte und Dossiers, um die Öffentlichkeit zu informieren und Entscheidungsprozesse zu begleiten. Sie engagiert sich für die Förderung nachhaltiger Lebensweisen und ist aktives Mitglied internationaler Netzwerke.

Die Organisation führt auch Strandüberwachungsaktivitäten durch, um die Nistplätze von Meeresschildkröten zu überwachen und zu schützen, und betreibt ein spezielles Rettungs- und Rehabilitationszentrum für Meeresschildkröten in Manfredonia (Apulien).