
TUI Sea the Change Türkiye
Entlang der Südwestküste der Türkei teilen sich vom Aussterben bedrohte Mittelmeer Mönchsrobben Höhlen, Buchten und Seegraswiesen mit geschäftigen Touristenbooten, Fischer*innen und Schwimmer*innen. Anker, zunehmender Küstenverkehr und ein geringes Umweltbewusstsein schädigen diese empfindlichen Lebensräume und gefährden die Mönchsrobben.
In der ersten Phase hat TUI Sea the Change Türkiye dazu beigetragen, diese Herausforderungen anzugehen. So wurde ein Fernüberwachungssystem für Höhlen mit Kamerafallen installiert und mehr als 700 Menschen im Meeresnaturschutz geschult. Damit entstand eine solide Grundlage für weitere Maßnahmen und für die zweite Projektphase. In dieser Phase werden 200.000 Quadratmeter Küste und Meer unter Schutz gestellt sowie Schulungen zum Meeresschutz und ihre Reichweite unter Einheimischen und Tourist*innen weiter ausgebaut.
Die zweite Phase von TUI Sea the Change Türkiye widmet sich dem Spannungsfeld zwischen einer wachsenden Tourismuswirtschaft und der Notwendigkeit, die Lebensräume der Mönchsrobben und Seegraswiesen entlang der Küste von Fethiye Göcek bis Kaş zu erhalten. Die Höhlen in diesen Gebieten bieten Mönchsrobben sichere Rückzugsorte zum Ausruhen und zur Fortpflanzung. Seegraswiesen wie Posidonia wirken als Unterwasserwälder, die Kohlenstoff speichern, Strände stabilisieren und Jungfischen Schutz bieten.
Bootsanker, intensiver und lauter Bootsverkehr sowie die Auswirkungen des Klimawandels können diese sensiblen Lebensräume jedoch schneller zerstören, als sie sich regenerieren können. Dadurch geraten nicht nur die Tierwelt, sondern auch die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung unter Druck. Die erfolgreiche erste Projektphase hat gezeigt, dass jede identifizierte Mönchsrobbe für das Überleben dieser kleinen Population entscheidend ist. Sie hat außerdem verdeutlicht, dass die lokale Bevölkerung und Besucher*innen bereit sind zu helfen, wenn sie verstehen, wie viel für diese gefährdete Art auf dem Spiel steht. Darauf aufbauend stärkt die zweite Projektphase den Schutz der Lebensräume, verbessert die wissenschaftliche Datengrundlage und bindet noch mehr Menschen ein, damit Natur, Tourismus und Fischerei gleichermaßen profitieren können.
TUI Sea the Change Türkiye setzt die Überwachung der Höhlen an zwei zentralen Standorten fort und ergänzt sie durch akustische Methoden. Das Projekt nutzt weiterhin die Kamerafalle in Kaş und das Fernüberwachungssystem im Gebiet Fethiye Göcek. Zusätzlich werden Hydrophone in den Höhlen installiert, um die Unterwassergeräusche der Robben aufzuzeichnen. Durch den Abgleich der akustischen Daten mit den Kamerabildern können die Forscher*innen einzelne Tiere identifizieren und nachvollziehen, wie sie die Höhlen je nach Jahres- und Tageszeit nutzen. Alle drei bis vier Monate finden Feldbesuche statt. Die wichtigsten Ergebnisse werden in Jahresberichten zusammengefasst, sodass sich Entwicklungen über die Zeit hinweg gut nachvollziehen lassen.
Die Seegrasstation Sarigerme überwacht die Seegraswiesen weiterhin zweimal pro Jahr und dokumentiert ihren Gesundheitszustand, die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten sowie Veränderungen der Meerestemperatur. In der Bucht von Aşı bilden detaillierte Karten der Seegraswiesen und geschädigten Flächen die Grundlage für ein künftiges Management. Regelmäßige Patrouillen und Monitoringmaßnahmen im Gebiet Fethiye Göcek helfen dabei, riskante Aktivitäten frühzeitig zu erkennen und den direkten Austausch mit Nutzer*innen des Meeres zu fördern. Insgesamt tragen diese Maßnahmen dazu bei, rund 200.000 Quadratmeter Küsten- und Meereslebensraum zu schützen und zu renaturieren.
Ergänzend zur praktischen Arbeit vor Ort unterstützt das Projekt die geplante Ausweisung der Bucht von Sarigerme Aşı als offizielles Meeresschutzgebiet. Damit würden die Lebensräume langfristig rechtlich gesichert. Die gewonnenen wissenschaftlichen Daten fließen in den Dialog mit nationalen und lokalen Behörden ein und zeigen, wie eine geschützte Bucht sowohl die biologische Vielfalt als auch den langfristigen Wert der Region für Tourismus und Fischerei erhalten kann.
Bewusstseinsbildung und Aufklärung ziehen sich durch sämtliche Aktivitäten des Projekts. Insgesamt werden 20 Tourismusunternehmen sowie zahlreiche öffentliche und private Organisationen durch gezielte Schulungen eingebunden, bei denen verantwortungsvolle Tourismuspraktiken im Mittelpunkt stehen. Auch Wassersportclubs und Kinderclubs in Hotels in Sarigerme, Fethiye und Antalya erhalten Schulungen zur lokalen Tierwelt. Ein speziell entwickeltes Brettspiel rund um die Mönchsrobbe macht das Lernen dabei anschaulich und einprägsam.
Im Rahmen von Schulbesuchen und Festivalaktivitäten, darunter das Göcek Kinderfestival, nehmen rund 600 Schulkinder an interaktiven Workshops zu Mönchsrobben, Seegras und dem gesamten Ökosystem des Mittelmeers teil. Insgesamt qualifiziert das Projekt 245 Einheimische und erreicht darüber hinaus Tausende Kinder und Tourist*innen mit praxisnahen Angeboten zum Schutz der Meere.
Auch auf dem Wasser werden die Maßnahmen ausgeweitet. Das in der ersten Phase erfolgreich getestete Programm für umweltfreundliche Boote wird nun deutlich erweitert. In Partnerschaft mit vier Yachthäfen und mindestens sechs weiteren Booten werden verbindliche Standards eingeführt. Diese reduzieren Unterwasserlärm, begrenzen Störungen in der Nähe von Höhlen und verringern Schäden an Seegraswiesen durch Anker. So wird jede Fahrt auf dem Meer zu einer Chance, diese einzigartige Küstenlandschaft zu schützen, statt sie zu beeinträchtigen.
Projektpartner
Die Mediterranean Conservation Society, auch bekannt als Akdeniz Koruma Derneği (AKD), wurde 2012 in Izmir, Türkei, als nationale gemeinnützige Organisation gegründet. Sie konzentriert sich auf den Schutz gefährdeter Arten wie der Mittelmeer Mönchsrobbe und des Sandbankhais, auf die Überwachung und Wiederherstellung der Meeresökosysteme, in denen sie leben, sowie auf die Unterstützung von Küstengemeinden bei der Entwicklung nachhaltiger Lebensgrundlagen. Die Projekte sind lokal verankert und basieren auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen ebenso wie auf traditionellen Erfahrungen.
Als gemeinnützige Organisation setzt AKD Projekte um, die zentrale Herausforderungen entlang der türkischen Küste adressieren. Dazu zählen die Förderung und Begleitung von Fischereiverbotszonen sowie von Ranger Systemen in Gemeinden, der Schutz gefährdeter Arten und ihrer Lebensräume, der Umgang mit invasiven Arten, die Entwicklung nachhaltiger Alternativen zur Fischerei durch Ökotourismusprojekte und die Organisation von Meeresreinigungsaktionen.




