
TUI Field to Fork Puglia
In der Provinz Taranto in der süditalienischen Region Apulien stehen die lokalen Gemeinden vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Einst von einer boomenden Stahlindustrie geprägt, kämpft die Region heute mit hoher Arbeitslosigkeit und einem Bevölkerungsrückgang, insbesondere unter jungen Menschen. Die traditionellen Wirtschaftszweige der Region wie Landwirtschaft und Fischerei geraten zunehmend ins Wanken. Zitrusbauer*innen in Palagiano und Muschelzüchter*innen im Mar Piccolo von Taranto haben es immer schwerer, sich auf dem globalen Markt zu behaupten. Ihre auf jahrhundertealten Traditionen basierende Arbeit ist durch Klimawandel, Umweltverschmutzung und wirtschaftlichen Druck bedroht.
TUI Field to Fork Puglia bietet einen neuen Weg in die Zukunft. Das Projekt verbindet lokale Lebensmittelproduzent*innen mit dem Tourismussektor und schafft authentische Erlebnisse, die den Besucher*innen die Traditionen der Region näherbringen. Bei geführten Besichtigungen, Verkostungen und praktischen Workshops erfahren Urlauber*innen, wie Zitrusfrüchte und Muscheln angebaut, geerntet und zubereitet werden. Diese Aktivitäten unterstützen lokale Landwirt*innen und Fischer*innen, schützen die Artenvielfalt und tragen zur Erhaltung der kulturellen Identität der Region bei.
Taranto und die umliegende Region blicken auf eine lange Tradition in der Landwirtschaft und Fischerei zurück. In den letzten Jahren ist die Lage für die lokalen Gemeinden jedoch schwieriger geworden. Viele junge Menschen verlassen die Region auf der Suche nach besseren Arbeitsmöglichkeiten. Traditionelle Berufe in Landwirtschaft und Muschelzucht gelten zunehmend als unsicher, nicht zuletzt wegen der Auswirkungen des Klimawandels und der Konkurrenz durch große Produzenten. Die Zitrusplantagen von Palagiano, die für ihre einzigartigen Sorten und ihren reichen Geschmack bekannt sind, verschwinden langsam. Die Muschelzucht im Mar Piccolo, einst eine stolze Tradition, ist heute durch Verschmutzung, Erwärmung der Gewässer und invasive Arten bedroht.
TUI Field to Fork Puglia hat eine touristische Route geschaffen, die sich auf diese beiden lokalen, traditionellen Lebensmittel konzentriert. Beide sind Teil des Slow Food Presidia, welches sich für den Erhalt traditioneller und ökologisch wertvoller Lebensmittel einsetzt. Das Projekt bietet Urlauber*innen die Möglichkeit, Bauernhöfe und Muschelbänke zu besuchen, die Produzent*innen kennenzulernen und an Verkostungen und Workshops teilzunehmen. Sie erfahren, wie die Lebensmittel angebaut und zubereitet werden, aber auch welche Geschichten, Traditionen und Menschen dahinterstehen.
Es werden zwei Hauptrouten angeboten: Die eine kombiniert eine Bootstour mit einer Meeresfrüchte-Verkostung, die andere umfasst eine Wanderung durch Zitrushaine mit anschließender Verkostung. Insgesamt nehmen 1.000 Urlauber*innen an diesen ländlichen Erlebnissen teil. Das Projekt bewirtschaftet außerdem 300.000 Quadratmeter Land mit agroökologischen Techniken und baut 20 Partnerschaften mit dem Tourismussektor auf.
Darüber hinaus werden 10 Muschel- und Austernzüchter*innen sowie 20 Zitrusbauer*innen in nachhaltigen Praktiken geschult. Es werden neue Austernzuchttechniken eingeführt, um die nachhaltige Produktion von Muscheln zu fördern und ökologische Belastungen zu minimieren. Lokale Restaurants und Köche werden ermutigt, diese Zutaten in ihren Speisekarten zu verwenden. Das Projekt trägt auch zur Entwicklung neuer Produkte wie Marmeladen, Liköre und Süßigkeiten bei, die direkt an Besucher*innen verkauft werden können.
Soziale Inklusion ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Es arbeitet mit Kooperativen und Verbänden zusammen, um Menschen aus benachteiligten Verhältnissen, darunter junge Menschen und Menschen mit Behinderungen, auszubilden und zu beschäftigen. Zwanzig Menschen mit Behinderungen werden ausgebildet und in die Zitrusproduktion eingebunden. Die touristischen Routen sind barrierefrei gestaltet und Besucher*innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen können durch das Personal unterstützen werden.
TUI Field to Fork Puglia trägt zum Schutz lokaler Traditionen bei, unterstützt kleine Produzenten und schafft neue Möglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Das Projekt zeigt, wie Tourismus ein Motor für positive Veränderungen sein kann – indem er Menschen zusammenbringt, Wissen teilt und der Region zu nachhaltigem Wachstum verhilft.
Projektpartner
Slow Food Italia ist eine Vereinigung zur Förderung des sozialen Engagements, die sich für gute, saubere und faire Lebensmittel einsetzt. Dazu gehört der Respekt gegenüber den Menschen, die sie herstellen, ebenso wie gegenüber der Umwelt und den lokalen Traditionen. Als Teil der internationalen Slow-Food-Bewegung verfügt die italienische Organisation über ein weit verzweigtes Netzwerk von rund 250 lokalen Vereinen und über 25.000 Mitgliedern, die sich aktiv an Projekten, Kursen, Verkostungen, Veranstaltungen und Sensibilisierungskampagnen beteiligen.
Die Arbeit von Slow Food Italia basiert auf drei Säulen: Biodiversität, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit. Biodiversität steht für den Schutz von Arten, Sorten, Techniken und Wissen im Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen und kulinarischen Erbe. Die zweite Säule konzentriert sich auf die Förderung der Esskultur sowie der sensorischen und ernährungsbezogenen Bildung. Die Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet Bemühungen zur Beeinflussung der Politik zugunsten eines gerechteren und nachhaltigeren Lebensmittelsystems





