TUI Colourful Cultures Amsterdam

Amsterdam ist eine kulturell vielfältige Stadt, in der der Tourismus eine zentrale Rolle für die lokale Wirtschaft spielt. Dennoch erleben viele Besucher*innen die Stadt, ohne sich mit den kulturellen Hintergründen und Lebenserfahrungen auseinanderzusetzen, die ihre Identität über die Zeit geprägt haben. Dadurch entsteht eine Kluft zwischen der reichen Sozialgeschichte Amsterdams und der für den Tourismus inszenierten Version der Stadt.

TUI Colourful Cultures Amsterdam schließt diese Lücke durch kulturelles Storytelling und Dialog. Das Projekt bringt Besucher*innen mit ausgebildeten Storytellern sowie Künstler*innen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen. Durch die Einbindung persönlicher Erzählungen und künstlerischer Ausdrucksformen in touristische Erlebnisse fördert das Projekt kulturelles Verständnis und regt zu einer tieferen, bedeutungsvolleren Auseinandersetzung mit der Stadt an.

Amsterdam zählt zu den meistbesuchten Städten Europas. Mit seinem malerischen Labyrinth aus Grachten bietet die Stadt eine einzigartige Möglichkeit, ihr kulturelles Erbe zu entdecken. Obwohl Grachtenrundfahrten zu den beliebtesten touristischen Aktivitäten gehören, konzentrieren sie sich häufig auf Architektur und Wasserwege und lassen dabei die menschlichen Geschichten außer Acht, die Amsterdam zu der vielfältigen Stadt gemacht haben, die sie heute ist.

Gleichzeitig setzt die wachsende Zahl von Besucher*innen die Stadt zunehmend unter Druck. Amsterdams Tourismusvision fordert daher Erlebnisse, die einen Mehrwert für das lokale Leben schaffen, das kulturelle Verständnis stärken und eine intensivere Auseinandersetzung mit der Stadtgesellschaft ermöglichen. Dennoch sind die Möglichkeiten für Reisende, sich mit gelebter Geschichte und zeitgenössischen kulturellen Perspektiven auseinanderzusetzen, bislang begrenzt.

TUI Colourful Cultures Amsterdam verwandelt eine klassische Grachtenrundfahrt in ein kulturelles Erlebnis, das auf Storytelling, Performance und Dialog basiert. Das Projekt unterstützt eine Reihe kleiner Bootstouren und kultureller Formate, die Besucher*innen dazu einladen, sich über persönliche Erzählungen und künstlerischen Ausdruck mit der Geschichte Amsterdams auseinanderzusetzen.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen ausgebildete Storyteller mit Wurzeln in Syrien, der Türkei, Somalia, Eritrea, Kolumbien und weiteren Ländern. Ihre Geschichten vermitteln, wie unterschiedliche Kulturen, Perspektiven und Lebenswege zur Entwicklung Amsterdams beigetragen haben. Die Touren finden in kleinen Gruppen statt und schaffen Raum für Austausch und Reflexion, während der Einsatz von Elektrobooten dazu beiträgt, die Umweltbelastung zu reduzieren.

Das Projekt verbindet Menschen, kulturelles Erbe und berufliche Weiterentwicklung, um nachhaltige und bleibende Eindrücke zu schaffen. Insgesamt erhalten 48 Storyteller, Kapitän*innen und Künstler*innen eine maßgeschneiderte Unterstützung.

Die Storyteller nehmen an einem kostenlosen, sechswöchigen Schulungsprogramm teil, das den Fokus auf Erzählkompetenzen, Selbstvertrauen und Publikumsbindung legt. Im Anschluss sammeln sie praktische Erfahrungen an Bord der Boote. Durch Mentoring und angeleitete Reflexion entwickeln sie professionelle Fähigkeiten in den Bereichen Storytelling, Gastfreundschaft und Performance und wachsen zugleich kreativ und persönlich.

Kapitän*innen und Künstler*innen werden durch gezielte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten gefördert, darunter Zertifizierungen für Kapitän*innen sowie Mentoring- und Auftrittsmöglichkeiten für Künstler*innen. Dadurch wird ihre Sichtbarkeit bei lokalen wie internationalen Zielgruppen erhöht.

Darüber hinaus bewahrt und renoviert das Projekt zwei historische Boote, um einen sicheren, barrierearmen und umweltverträglichen Betrieb zu gewährleisten. Die Boote fungieren weiterhin als kulturelle Räume auf dem Wasser und bieten Platz für Touren, Aufführungen und Veranstaltungen.

Durch die Optimierung von Abläufen, Marketing und Partnerschaften innerhalb des Tourismussektors sowie durch die Unterstützung bei der Entwicklung eines neuen Tourangebots ermöglicht das Projekt eine verantwortungsvolle Skalierung der Kapazitäten des Reiseveranstalters. Innerhalb von zwei Jahren wächst das Angebot von einem begrenzten, saisonalen Betrieb zu einem stabilen Programm mit mehr als 200 Veranstaltungen pro Jahr bis zum Projektende.

Projektpartner

Rederij ist ein Sozialunternehmen mit Sitz in Amsterdam, das zwei Boote auf den Grachten der Stadt betreibt, die einst Menschen auf der Suche nach Sicherheit über das Mittelmeer transportierten. Heute dienen diese Schiffe als Orte des Storytellings, des Segelns und kultureller Veranstaltungen und schaffen bedeutungsvolle Begegnungen zwischen Einwohner*innen, Besucher*innen sowie Menschen mit Migrationsgeschichte.

Rederij arbeitet mit einem vielfältigen Team von Kapitän*innen und Storytellern aus Ländern wie Syrien, der Türkei, Somalia, Eritrea, Kolumbien und weiteren Herkunftsländern zusammen. Neben nautischen Fähigkeiten sind sie auch im Storytelling geschult und verbinden persönliche Erfahrungen mit der weniger bekannten Migrationsgeschichte Amsterdams. Mit diesem Ansatz gestaltet Rederij gängige Narrative über Migration neu und ersetzt abstrakte Debatten durch gelebte Erfahrungen, differenzierte Perspektiven und menschliche Verbindungen.